Warum setze ich mich nicht einfach hin und lese die Zeitung? Uptown. Oder den Spiegel. Oder am besten die 1,5 Kilo schwere Wochenendausgabe der FAZ.
Stattdessen beende ich das sonntägliche Frühstück gern mit den Worten: „Wir könnten doch heute mal schnell…“ – Fortsetzung unterschiedlich: den Keller entrümpeln. Die Bücherregale neu sortieren. Die kleinen unschönen Stellen in den weißen Wänden ausbessern. Oder das Worst-Case-Szenario: Schlafzimmer und Arbeitszimmer tauschen.
Kurze Zeit später bewaffnet sich jedes Familienmitglied mit den geschlechtsspezifischen Utensilien: Mit Staubsauger und Wischmopp die Frau, mit Akkuschrauber, Hammer und Vierkantschlüssel der Mann, die Kids nehmen Kinderbohrmaschine, Besen und Kehrblech mit Pinocchio-Motiv.
Was dann folgt, gleicht in etwa einer Großbaustelle. Zuerst alle Kabel raus. Geräte entstauben, Wollmäuse fangen, Staubmilben-Husten unterdrücken. Computer herumwuchten, Bücher schleppen, Regalböden abmontieren, Sideboard vorsichtig vorziehen. Geräte und Möbel dahin stellen, wo sie nicht im Weg sind (Wohnzimmer).
Achtung Kinder, das ist gefährlich, das kann kippen. Doch zu spät. Rums. Loch im Knie, Kratzer im Parkett.
Keine Zeit. Im Schlafzimmer wird unterdessen der Kleiderschrank ausgeräumt. Eine gute Gelegenheit gleich zu sortieren: passt, passt nicht, passt wieder nach der nächsten Diät. Altkleidersammlung. Doch nicht Altkleidersammlung. Erst mal ins Wohnzimmer. Nachttischlampen ins Wohnzimmer, ebenso den Nachttisch samt Zeitungsstapel der letzten 14 Tage (natürlich ungelesen). Ist dann erst mal das Doppelbett zerlegt, gibt es kein Zurück mehr. Der Point of no Return des Sonntags.
Längst läuft im Fernsehen der Tatort. Die Matratzen liegen im Wohnzimmer, man sieht sie aber kaum zwischen all den anderen Möbeln, durch die man sich schlängeln muss. Kleine Pfade mit Hürdenlauf führen noch zum Fernseher. Es guckt ohnehin keiner, auf dem Sofa schlafen erschöpfte Gestalten. Die anderen Zimmer gleichen Bildern der Verwüstung.
Montag bis Freitag Abend ist das Programm klar. Es wird dann gewischt, geschleppt, sortiert, montiert und umgeräumt. Fertig. Das Ergebnis ist nicht schlecht. Besser aber auch nicht. Aber Anders eben. Ein paar klitzekleine Kleinigkeiten gehören vielleicht noch verändert. Das könnten wir doch am Sonntag gleich nach dem Frühstück machen! Die Zeitung kann ich schließlich auch am Montag noch lesen …







