Finanzkrise – was für ein hässliches Wort! Könnte einem fast die Stimmung vermiesen. Aber nur fast. Schließlich weiß jede Frau, was sie bei einem Anflug von Depression zu tun hat: Schuhe kaufen.
Das rettet ihre Seele. Und nicht nur ihre: die ganz Deutschlands. Konsum beflügelt schließlich die Wirtschaft. Und so kriegen weder die Frauen noch Deutschland die Krise. Was sag ich: noch die ganze Welt! Ist ja ein globales Problem: Hätten die Amis nicht so viele Häuser gekauft, bräuchte ich nicht diese schicken, schokobraunen Manolos aus dem Schaufenster!
Zu blöd nur, dass man nicht nur mit Schuhen herumlaufen kann. Man braucht unbedingt noch das eine oder andere Oberteil dazu – es ist ja für einen guten Zweck. Aber da gestaltet sich die Sache mit dem Shoppen schon außerordentlich schwieriger: Während die Verkäuferin in der Kleiderboutique in der Tat fast halbnackt herumsteht – ich betone: herumsteht – betrete ich mit Winterjacke, Wollschal und Mütze den Laden. Dazu schleppe ich meine Riesenhandtasche (nur mit dem Nötigsten), die Einkäufe für das Abendessen sowie die Tüte mit dem Schuhkarton.
Ein Pullover gefällt mir. In Rot. Leider nur in XXS und XS. Die Verkäuferin lächelt milde, als ich sie frage, wo denn die Größe L liege. Sie trägt zirka Größe 34. Sie deutet auf die ockerfarbenen Rollis, da könnte noch „so was Weites“ dabei sein. Nun ja, nicht gerade mein Traumstück – aber was tut man nicht alles fürs Vaterland. Ich nehme einen, auf dem Weg zur Umkleide finde ich noch ein paar andere Teile. Ich warte auf eine freie Garderobe. Mir ist heiß in meiner Winterjacke.
Dankbar, mir endlich in der Kabine die Kleider vom Leib reißen zu dürfen, stelle ich fest, dass der einzige Haken der Umkleide leider nach unten zeigt. Ich türme einen kunstvollen Stapel Kleidungsstücke auf meinen Schuhkarton. Jetzt habe ich keinen Platz mehr mich umzuziehen. Nicht verzagen! Wer die Welt rettet, jammert nicht. Anziehen, ausziehen, anziehen, ausziehen. Ein Preisschild schlägt mir ins Auge. Im Spiegel sehe ich mein vor Anstrengung gerötetes Gesicht – passt gut zu Ocker. Auf dem Rücken habe ich einen Buckel – zum Glück ist es nur die Alarmsicherung, die Löcher in den Kleidern hinterlässt.
Ich entscheide mich für zwei Teile, die mir halbwegs zu passen scheinen, schäle mich wieder in meine sieben Schichten Winterkleidung, bezahle, verlasse den Laden und falle ermattet ins neonbeleuchtete Eiscafé Venezia nebenan. Eine riesengroße Apfelsaftschorle, bitte!
Ach, dass es so schwer sein muss, die Welt zu retten!







