Seit Germany’s next Topmodels jeden Donnerstag durch mein Wohnzimmer staksen, bin ich nun auch Expertin in Sachen Mode, Lächeln, Aussehen, auf andere Wirken. Ich weiß einfach alles. Und das meistens auch noch besser. Wie man sich sexy vor der Kamera bewegt. Wie man immer schön die Zähne zeigt. Welches Make-up man bei einem Casting tragen soll. Wie man bei zehn Grad Celsius und eiskaltem Regen in Dessous verführerisch auf einer Straße liegt. Und wie man neben einer gestylten Kakerlake lächelt. Nur eines ist mir auch nach unzähligen Donnerstagen als „Hobbymodel“ vor dem Fernseher nach wie vor ein Rätsel: Wie man auf 17-Zentimeter-High-Heels auch nur drei Schritte unfallfrei übersteht.
Das beruhigende an diesem Mangel in meinem Fachwissen: Das weiß sonst auch keiner. Schon bei halb so hohen Stiefeln auf dem Bürgersteig bleibe ich immer ganz fasziniert stehen. Beobachte, wie die Trägerin geschickt zwischen den Pflas-tersteinen herumstöckelt – bin kurz vorm Applaudieren, wenn nur bei jedem fünften Schritt ein Fuß leicht wegsackt. Und halte zur Sicherheit schon mal Ausschau, in welchem Laden wohl ein Erste-Hilfe-Koffer stehe könnte.
„Tequila für alle, die nicht hinfallen!“ So versuchte der New Yorker Designer Alexander Wang seine Models zu motivieren, bevor er sie bei seiner Modenschau über den Laufsteg schickte. Mit Erfolg übrigens, denn keines stürzte. Was wohl schon als etwas Besonderes gilt – zumindest ist das Internet voll mit kleinen Filmchen von Stolperern und Ausrutschern auf dem Catwalk.
Und wer meint, diese Suizid-Schuhe in der Tat kaufen zu müssen, bucht am besten gleich einen Chauffeur dazu. In der Tat gibt es mittlerweile den Begriff, der „Limo-Heels“. Heißt nicht: Alkoholverbot ab zwölf Zentimetern. Heißt: Absätze für Menschen, die mit einer Limousine vorfahren, weil sie ja nicht laufen können.
All diese Gedanken über hohe Schuhe zwingen mich irgendwann zu einem Blick auf meine Füße. Die in Turnschuhen, Ballerinas oder Gummisohlen-Goretex-Schuhen ein recht bequemes Dasein fristen. Bevor sie irgendwann in Rente gehen und endlich ausschließlich Gesundheitsschuhe und Hauspuschen tragen dürfen.
Und dann gucke ich lieber wieder über meine Füße hinweg – zum Fernseher. Wo Heidi Klum und ihre Jung-Gazellen herumstaksen. Und vielleicht gönne ich mir dazu ein klitzekleines Tequilachen.







