Frau Pape, Sie wollen eine deutsche Gartentradition beleben, von der Sie sagen, dass Sie nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen ist. Warum, glauben Sie, war das so?
Gabriella Pape: Aus der wirtschaftlichen Not heraus haben die Menschen nach dem Krieg sich erst einmal um den Anbau von Obst und Gemüse gekümmert, Grundstücke wurden zerteilt, damit jeder sich zunächst einmal so gut wie möglich selbst versorgen konnte. Und danach haben sich die Deutschen eben vollkommen in den Wiederaufbau und in die Arbeit gestürzt, dann kam „Vorsprung durch Technik“, für etwas anderes war gar keine Zeit. Wir haben uns gar nicht gesehen in dem Bild der im Garten sitzenden. Unsere Großeltern haben nicht im Garten gesessen, die haben vielleicht einmal eine Tasse Kaffee auf der Terrasse getrunken.
Als meine Eltern sich die ersten Gartenliegen aus Schweden kauften, elegante Möbel im Stil der 70er-Jahre, sind meinen Großeltern schier die Augen aus dem Kopf gefallen: Was wollt ihr euch denn in den Garten legen, haben Sie gefragt.
Nach dem Motto: Habt Ihr nichts zu tun?
Pape: Ja, genau. Denn das war ja noch die Generation Aufbau. Ich sage es noch einmal: Vorsprung durch Technik: das war nicht nur das Selbstverständnis dieser Generation, so hat auch das Ausland die Deutschen jahrelang gesehen – und tut es bisweilen noch heute.
Diese Art der Selbstfindung und -reflexion – Yoga, Esoterik –, das ist ja alles ganz neu, zumindest für die meisten Deutschen. Die 68er sagen natürlich, das haben sie 68 schon gemacht. Aber damit haben sie keine Massenbewegung entfacht. Und der Garten ist bei alledem ausgesprochen stiefmütterlich behandelt worden.
Natürlich gab es immer schon deutsche Landschaftsarchitekten, keine Frage. Aber die waren hauptsächlich auf Bundes- und Landesgartenschauen unterwegs oder haben die Außenanlagen irgendwelcher Kommunen gemacht. Aber eine richtige Gartenkultur, die Menschen gelebt haben, die stolz auf ihren Garten sind und richtig etwas darin machen außer Rasen mähen, die hat es nicht wirklich gegeben. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, selbstverständlich finden Sie auch in Deutschland ein paar hundert Gärten, die schön sind – aber bestimmt nicht ein paar Tausende. Es gibt zwar viele hunderttausend Hausbesitzer in Deutschland, die sagen würden, dass sie einen Garten haben – aber die haben ein Stück Land, einen Rasen mit einer Hecke darum, keinen Garten.






























