Der Bundesumweltminister hat angekündigt, dass die Koalition bis zum Oktober dieses Jahres ein nationales Energiekonzept vorlegen werde – ist das nicht ein bisschen spät?
Stephan Weil: Das ist richtig. Ein solches Konzept, das auf eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft setzt, hätten wir schon vor zwei Jahren gut gebrauchen können. Mittlerweile fehlt es an allen Ecken und Enden. Ein Beispiel: Einerseits reden wir über Lücken in der Energieversorgung, andererseits wird fast jedes Kraftwerksprojekt in Deutschland sehr kontrovers diskutiert. Das Thema Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ist ein weiteres Beispiel.
Ich habe allerdings Zweifel, ob wir in dieser vergleichsweise kurzen Zeit bis Oktober zu einem Konzept kommen, das wirklich über einen längeren Zeitraum tragen wird.
Reicht ein nationales Energiekonzept überhaupt aus? Bräuchten wir nicht ein europäisches?
Weil: Das bräuchten wir. Aber wenn man schon national kein vernünftiges Konzept auf den Tisch legen kann – wie soll uns das dann europaweit oder international gelingen?
Vor der Bundestagswahl hat sich die Energiewirtschaft immer wieder über den Zwist zwischen dem damals roten Umweltministerium und dem schwarzen Wirtschaftsministerium beklagt, der die Energiepolitik lähmte. Herrscht nun unter schwarz-gelb mehr Einigkeit?
Weil: Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Bis jetzt hat die neue Bundesregierung noch kein energiepolitisches Profil. Es gibt nur ein heiß diskutiertes Thema, und das sind die Laufzeiten für Atomkraftwerke. Aber Energiepolitik ist viel mehr – und auch in der AKW-Diskussion gibt es, jedenfalls für mich, kein klares Bild. Ich hoffe, dass ich in einem halben Jahr schlauer bin.
Auf Fragen nach der Rolle der Stadtwerke in der deutschen Energiepolitik haben sowohl Wirtschaftsminister Rainer Brüderle als auch Umweltminister Norbert Röttgen eher knapp geantwortet: Die Stadtwerke seien wichtig, besonders für die dezentrale Energieversorgung. Vermissen Sie weitergehende Vorstellungen?
Weil: Ich kann nicht erkennen, welche Richtung diese Bundesregierung energiepolitisch einschlägt, ob sie die Stadtwerke als Partner ansieht oder als lästiges Übel. Ich vermute, dass diese Frage in der Koalition nicht ausdiskutiert ist. Die Fakten sind ganz eindeutig: Die Stadtwerke sind der energiewirtschaftliche Mittelstand. Wir haben vier große Unternehmen, die den Strommarkt dominieren, und wir haben 600 bis 700 kleinere Stadtwerke, die dafür sorgen, dass es so etwas wie Wettbewerb gibt.
Deshalb müsste eigentlich insbesondere eine Bundesregierung, die den Wettbewerbsgedanken hoch hält, ein besonderes Interesse an den Stadtwerken haben.






























