Derzeit findet in Kanada der Weltwirtschaftsgipfel der G8 und G20 statt: Was erwarten Sie von diesem Treffen?
Jakob von Uexküll: Dieser sogenannte Weltwirtschaftsgipfel ist einfach nicht repräsentativ. Das war er nicht, als noch die G7 oder G8 zusammenkamen, und das ist er auch heute mit den G20 nicht. Zudem stecken die G8 durch die Finanzkrise in einer Glaubwürdigkeitskrise, aber von grundlegenden Veränderungen ist nichts zu spüren. Zwar werden viele Ideen diskutiert, die zuvor tabu waren, etwa die Tobin-Steuer auf Devisengeschäfte. Diese Ideen werden aber bislang nicht umgesetzt, das ist immer ein Problem dieser Gipfel. Wir haben einmal untersucht, welche Versprechen eines Weltwirtschaftsgipfels ein Jahr später tatsächlich umgesetzt waren: Das war in Bereichen wie Umwelt, Wirtschaftsreformen und Hilfen für arme Länder sehr, sehr wenig.
Letztendlich erleben wir immer wieder das Gleiche: Wenn die Zivilgesellschaft starken Druck ausübt, wie es in den vergangenen Jahren ein paar Mal passiert ist, dann werden Zusagen gemacht – aber später wieder zurückgezogen. Aktuell passiert dies mit Hinweis auf die Bankenkrise; bereits gemachte Zusagen in Sachen Entwicklungshilfe sind aus dem Entschließungsantrag für den Gipfel in Kanada einfach verschwunden.
Es scheint auch eine Konkurrenz zu geben zwischen dem Klimaschutz und der Rettung der Welt- und Finanzwirtschaft.
Von Uexküll: Diese beiden Ziele werden natürlich gegeneinander ausgespielt, aber das ist nichts Neues. Die Industriestaaten benutzen dazu jedes Argument, das sie bekommen können – und zurzeit ist das eben die Finanzkrise.
Dabei besteht hier gar kein Gegensatz: Ohne eine gesunde Umwelt gibt es überhaupt keine Ökonomie. Die Behauptung, man könne sich den Schutz der Umwelt nicht leisten, ist absurd. Eine Gesellschaft, die die Ressourcen hat, das Wissen, die Arbeitskräfte, die Technologie, die verfügt auch über das Geld, den Klimaschutz zu finanzieren. Außerdem kann man neues Geld auch schaffen. Der Weltzukunftsrat hat einige Ideen dazu präsentiert. Man könnte beispielsweise durch sogenannte Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds neues Geld schaffen – gerade um Klimagerechtigkeit herzustellen. Das ist schwierig, weil es dagegen große Widerstände gibt. In einer Welt, die von Geld regiert wird, haben die, die Geld schaffen, jede Menge Macht – und kein Interesse daran, dass die Regeln geändert werden. Aber es ist zu machen.
Welche Art Widerstände meinen Sie?
Von Uexküll: Es gibt bekannte angelsächsische Ökonomen, darunter mindestens einen Nobelpreisträger, die schreiben, der Klimawandel werde hauptsächlich die Landwirtschaft bedrohen – und die mache in den Industriestaaten nur 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukt aus. Also werde der Klimawandel höchstens das Bruttoinlandsprodukt um ein bis drei Prozent mindern – aber gleichzeitig wachse die Wirtschaft so, dass wir damit fertig werden. Diese Menschen glauben ernsthaft, dass – wenn wir nur genug Computer oder Finanzderivate produzieren – es völlig egal ist, wenn die Landwirtschaft schrumpft. Wir werden von Ökonomen regiert, die tatsächlich glauben, dass man Geld essen kann.
Doch man muss sich immer vergegenwärtigen: Die Natur schnürt uns keine Rettungspakete so wie wir den Banken. Mit schmelzenden Gletschern kann man nicht verhandeln.






























