Er hat seinen eigenen Kopf: David Linley, Neffe der englischen Königin, Tischler und erfolgreicher Designer und Geschäftsmann. Sein Unternehmen für Interieurs im besonderen Stil, David Linley & Company Limited, hat seinen Sitz in London, Pimlico Road 60. Anerkannt ist die Firma für ihre individuelle Gestaltung von Möbeln und Accessoires und bekannt vor allem für ihre außergewöhnliche Kombination von Hölzern. Vor allem in der High Society sind daher Kreationen und Kompositionen aus dem Hause Linley ein so genanntes „Must-have“.
Bekannt ist Englands Royal Family hauptsächlich wegen ihres turbulenten Privatlebens, das zu guten Teilen in der Boulevardpresse stattfindet. Weniger Schlagzeilen macht die Tatsache, dass insbesondere ein Mitglied dieser Familie einer ganz normalen Tätigkeit nachgeht. Kein Geringerer als Charles Albert David Armstrong-Jones, Viscount Linley beschreitet ganz neue Wege. Er ist der Sohn von Prinzessin Margaret und dem Fotografen Lord Snowdon. Geboren im königlichen Clarence House am 3. November 1961 in London, war sein Werdegang eigentlich programmiert. Er hätte sich ganz den königlichen Verpflichtungen von Repräsentationen oder einer militärischen Laufbahn hingeben können.
„Doch meine Eltern haben mich zum Glück in eine andere Richtung gefördert.“ Linley hatte schon als Kind seinen eigenen Kopf – und den setzt er auch heute noch ein oder durch. „Holz ist und war meine Leidenschaft“, sagt Linley. Er und sein Vater verbrachten Stunden im königlichen Forst, um an den ersten Kunstwerken herumzuschnitzen.
„Handwerker!“ lautete der empörte Kommentar des Großteils der Royal Family, als er seinen Berufswunsch äußerte. Dieser Wunsch sollte kein harmloses, königliches Hobby bleiben. Seinen ganzen Ehrgeiz steckte Linley darin, aus der „Schnitzerei“ ein eigenständiges, individuelles Luxusprojekt zu schaffen.
Es begann 1975 mit einem kleinen Schreibtisch, den er unter Anleitung seines Vaters fertigte. „Ich fühlte, wie sich das Material nach meinen Wünschen und Vorstellungen formte“, erinnert sich der Viscount. Ausgefallene Rundungen und Farbkompositionen charakterisierten sein erstes Modell. Damit bewarb er sich an der renommierten Handwerksschule „Parnham House“ – und konnte der Familie stolz verkünden, dass er aufgenommen worden war.
„Manchmal dachte ich, das schaffe ich nicht“, so der adelige Spross. Hart war die Ausbildung, mit Detailzeichnungen und -Anfertigungen, die immer wieder korrigiert werden mussten – bis die Finger wund waren und die Augen schmerzten. Schließlich lieferte er nach drei Jahren sein Abschluss-Meisterstück ab: einen konischen „Schubladenturm“ mit teilweise winzigen Teilen. Gewidmet und geschenkt hat er ihn seinem Vater für dessen unermüdlichen Rückhalt. Er thront nun in dessen Salon.
„Irgendwann steht man an einem Scheideweg. Entweder man ist Designer und Geschäftsmann oder Handwerker.“ Linley entschied sich für Ersteres. Unter seiner Leitung produziert ein Team von Tischlern nun die ausgefallensten Möbelstücke.
In zwei Ausstellungsräumen in London zeigt der Viscount seine einzigartige Komposition diverser Stilrichtungen. „Wir nehmen Akzente aus der Vergangenheit verschiedener Epochen auf, wie die Form von markanten Stuhlbeinen oder einer geschwungenen Rückenlehne aus dem Barock, fertigen diese aber aus einem modernen hellen Holz und kombinieren dazu Lederpolster in Türkis“, beschreibt er sein Vorgehen. Diese neue Harmonie ist für die Ewigkeit geschaffen.
Das muss sie auch sein, bei den Preisen, die Linley für seine Möbel verlangt. Um die 50.000 Pfund beispielsweise
kostet „Vortex Credenza“, ein Sideboard im „Zebralook“ aus Rosenholz und Sycamore. Auf Knopfdruck öffnen sich die Türen, und es offenbart sich eine Zauberwelt: Abgeschrägte oder abgerundete Türen und Schubladen mit teilweise beleuchteten Fächern und in sich verschachtelten Boxen schlagen Betrachter und Benutzer in ihren Bann. Der Verkaufsschlager im Luxusladen ist jedoch ein kleiner Türstopper in Form eines Käsestückes für sage und schreibe 25 Euro.
Den allerhöchsten Ansprüchen müssen alle seine Kreationen entsprechen. So sehr, dass selbst seine Tante, Queen Elizabeth II, ihre Gemächer mit Linleys Möbeln bestückt. Welche, will er allerdings nicht verraten. „Das ist Privatsache.“ In seiner eigenen Wohnung bevorzugt Linley einzelne Stücke von verschiedenen Designern. „Wir haben lediglich sieben Möbelstücke von mir in unserer Londoner Wohnung stehen, darunter einen Schreibtisch, einen Ess-tisch, ein Sofa – hart erprobt von meinen Kindern – und ein Sideboard.“ Sehr geschätzt werden von ihm die Entwürfe der Designerinnen Nina Campbell und Joana Wood, von denen einige Stücke die Linley-Harmonie ergänzen. Mit ihnen hat er auch eine Wohnung in einem Bau des Architekten Norman Foster in St. Moritz gestaltet. Eine perfekte Synthese aus Tapisserien, Möbeln, Polstern und Teppichen wurde dort zu einem individuellen Refugium eines „honorigen Gentleman“ gestaltet. Keine Namen, David Linley ist weiter königlich diskret. Er sagt nur, dass sich der Herr dort sehr wohl fühlt.
Hatte eigentlich schon mal ein Entwurf oder Projekt von ihm keinen Erfolg? „Das ist noch nie vorgekommen, bis jetzt haben wir immer den Geschmack der Leute getroffen.“
Wie erklärt Linley sich selber seinen Erfolg? Schreibt er ihn eher seinem Können zu oder seiner gesellschaftlichen Stellung? Der Viscount antwortet realistisch: „Ich habe den großen Vorteil, dass ich Leute kenne, die sich meine Kreativität auch leisten können. Wenn es ihnen aber nicht gefiele, würden sie kein Geld dafür ausgeben.“ Dafür pflegt er seine Kontakte. „Ich gehe jeden Abend auf Partys. Das ist zwar schön, kann aber auch anstrengend sein, aber dort treffe ich potenzielle Kunden.“ Zeit für Muße bleibt ihm da wenig. Zum Beispiel mal auf einem von ihm kreierten Schachbrett zu spielen. Oder seine Messerkollektion mit speziellen Schneidebrettkreationen aus Nussbaum selbst in der Küche auszuprobieren. „Mit Spezialisten, nämlich aus Deutschland, haben wir die Klingen entwickelt.“ Seine deutschen Wurzeln sind ihm wichtig, darauf weist er häufig hin. In Berlin würde er deswegen gerne ein weiteres Geschäft eröffnen. „Eine der wichtigsten Metropolen Europas für kreative Köpfe.“ Auch die Wochen während der Kölner Möbelmessen sind ihm wichtig. Währenddessen teilt er sich ganz bescheiden in einem kleinen Kölner Hotel mit zwei anderen Kollegen ein Zimmer. „Während dieser Zeit darf man nicht abgehoben sein, da sind Kontakte und die Antennen für andere Möbelkünstler sehr wichtig. Man muss immer schauen, was die anderen machen. Um sich abzuheben, aber nicht völlig am Strom vorbeizuschießen.“











