Was hat die SPD eigentlich für ein Problem mit „Negern", fragte mein Kollege John neulich. John ist schwarz und forscht über Afroamerikaner in Deutschland. „Neger" ist zwar längst nicht mehr politisch korrekt, aber bei der SPD haben sie offenbar auch das verschlafen.
John gab mir nämlich einen Artikel aus dem Spiegel. Eine Gruppe Volksvertreter war nach San Francisco geflogen – ein Lieblingsreiseziel deutscher Parlamentarier. So beliebt, dass sich sogar Abgeordnete dorthin schleppen, die besser zu Hause bleiben sollten. So hatte die Dienstreisegruppe auch eine Dame von der CDU mit gebrochenem Fuß dabei. Für die forderte Randolph Krüger von der SPD Postdam-West einen Rollstuhl an. Aber das Gefährt war etwas schwergängig, und so weit geht die Große Koalition denn doch nicht, dass ein SPDMann eine CDU-Frau die steilen Hügel der Market Street hochkarriolt.
„Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt!", beschied Genosse Krüger dem erstaunten deutschen Generalkonsul. Schließlich sei man einen gewissen Standard gewöhnt. Die Beamten vom Konsulat im sonnigen Kalifornien können ein Lied von den Standards deutscher Volksvertreter auf Reisen singen, aber meistens schweigen sie diplomatisch. Diesmal haben sie gesungen – und deshalb sollte ich nun meinem Kollegen John die SPD erklären.
Ich glaube, sagte ich, MdB Krüger gehört zur Schröder-Verschwörung. Gerhard Schröder schafft es allein nie, sich zu rächen und seine Partei unter die Fünf-Prozent- Hürde zu drücken. Da kann er Interviews geben, soviel er will. Thilo Sarrazin hat es in Berlin ja auch noch nicht geschafft.
Und was hat das mit „Negern" zu tun, fragte John misstrauisch. Ich habe deutsche Abgeordnete im Ausland erlebt, antwortete ich. Es ist wie mit den Arglosen im Ausland bei Mark Twain. Sie sprechen meistens ein fantasievolles Englisch und treten so auf, dass man sich die Monarchie zurückwünscht. Aber Günther Jauch will ja nicht.
Wieso Günther Jauch?, fragte John irritiert. Weil er einen guten König abgeben würde, sagte ich. Er wohnt schon in Potsdam und brauchte einfach nur nach Sanssouci umziehen. Am besten, du schreibst ihm und er erklärt dir die SPD.
Du weichst mir aus, sagte John. Ja, gab ich zu, das Thema überfordert mich. Der Genosse Krüger wollte wahrscheinlich nur einen Scherz machen. So wie Kurt Beck damals, als er Waschen und Kämmen als Programm gegen Arbeitslosigkeit vorgeschlagen hat. Bei der SPD haben sie einen etwas anderen Humor. Oder vielleicht wollte er ja auch nur mal einen ganz normalen Afroamerikaner kennen lernen, denn sonst treffen Abgeordnete auf solchen Reisen immer nur ihresgleichen.
Du meinst, er hat sich gar nichts dabei gedacht, fragte John ungläubig. Nein, sagte ich, er hat gesagt, was er denkt. Und deshalb müsste der Generalkonsul vom Bundespräsidenten ein Verdienstkreuz bekommen. Man erfährt ja nicht alle Tage, was unsere Volksvertreter so denken.
Holger Teschke berichtet in diesem Herbst für Uptown von den Wahlen in den USA und folgt dabei den Spuren von Mark Twain.







