Meine Kollegen vom Department of Political Science sind trotzdem verwundert, dass von der Rezession nun die FDP profitiert. Sie fragen mich, ob die Deutschen da etwas durcheinander bringen, indem sie ausgerechnet die Partei belohnen, die am lautesten die Deregulierung der Finanzmärkte gefordert hat. Ich aber werde nicht müde, meine Landsleute zu verteidigen. Denn von belohnen kann ja keine Rede sein. Wenn Guido Westerwelle und Co. im Herbst in die Ministerien einziehen, dann werden sie dort einen sehr viel größeren Berg an Finanzmüll vorfinden, als seine Klientel in den Vorstandsetagen heute zuzugeben bereit ist. Man muss sich nur zwischen Boston und San Francisco umsehen, um zu ahnen, wie viel Geld da verbaut worden ist. Verschwunden sind die Milliarden keineswegs; der Energieerhaltungssatz gilt auch in der Finanzwirtschaft. Sie sind nur umgewandelt worden: in Apartmentanlagen, Shopping Malls, Bürohochhäuser und Hotelpaläste – die keiner mehr kauft.
Regieren als Strafe, sage ich, und meine Kollegen nicken nachdenklich. Aber wofür jetzt ausgerechnet Barack Obama bestraft wird, verstehen wir alle nicht. Ich finde, er hätte noch mehr Republikaner für sein Kabinett nominieren sollen. Denn die Grand Old Party zeigt jetzt ebenso deutlich wie die Master Of The Universe an der Wall Street, was sie in Zeiten der Not von Verantwortung hält.
Holger Teschke schreibt seinen Letter in diesem Jahr zwischen Boston und Santiago de Chile.







