
Uptown ausgezeichnet Uptown ist erneut Preisträger beim European Newspaper Design Award
Holger Teschke öffnet ab sofort jeden Monat eine Wunderkammer
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Holger Teschke unterwegs auf den Spuren Mark Twains
Die Reisen des Holger Teschke auf den Spuren Chamissos
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Für Katrin von Raggamby hat jede Story ein Happy End
2001-2009 European Newspaper Design Award reddot 2002: communication design
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Holger Teschke
Mai 2008
Die Suche nach Adelbert von Chamissos über die ganze Welt verstreuten Herbarienblättern hat mich im April nach Boston und Cambridge gebracht. Das Naturhistorische Museum von Harvard besitzt ein einzigartiges botanisches Archiv. Außerdem gab es eine Sonderausstellung mit gläsernen Quallen und Oktopussen, die vor mehr als hundert Jahren von Leopold und Rudolf Blaschka geschaffen wurden.
Die ersten Exemplare dieser filigranen Kunstwerke habe ich in den Sammlungen der Cornell University entdeckt und bin seitdem den Glaskreaturen der Blaschkas ebenso auf der Spur wie den Herbarien Chamissos. Doch vorher war ich im New England Aquarium, wo mir Tim Johnson vom Educational Department sehr lebendige Quallen und Oktopusse zeigte, die zu den Stars in allen Aquarien zählen.
Quallen und Salpen haben auch Chamisso fasziniert. Diese eleganten Wesen aus Wasser und Licht waren schon damals Gegenstand wissenschaftlichen Interesses, aber schwer zu studieren, weil sie in Aquarien nicht lange überlebten und sich als Alkoholpräparate schnell auflösten. Der Glaskünstler Leopold Blaschka, in Dresden auf künstliche Augen spezialisiert, wurde mit der Herstellung von gläsernen Modellen wirbelloser Meerestiere beauftragt. Bald gingen seine kunstvollen Seeanemonen, Kalmare und Quallen in alle Welt.
Eines Tages sah der Direktor des Botanischen Museums von Harvard, Professor George Goodale, diese erstaunlichen Exemplare und wusste, dass er die Lösung für das Problem seiner eigenen Sammlungen gefunden hatte. Er reiste nach Dresden und überredete Leopold Blaschka, sich in Zukunft der Herstellung gläserner Blumen zu widmen – exklusiv für Harvard, versteht sich. Nach einigem Zögern ließ sich der alte Blaschka auf das Angebot ein. In zehnjähriger Arbeit schufen Vater und Sohn
850 naturgetreue Glasmodelle und Tausende vergrößerter Blütenstände und Früchte.
Die Blumen der Blaschkas zählen heute zu den Prunkstücken der naturwissenschaftlichen Sammlungen von Harvard. Herbarienblätter von Chamisso habe ich bei diesem Besuch zwar nicht gefunden, dafür aber ein gläsernes Palmenblatt von einer Art, die der Dichter auf Hawaii entdeckt und nach dem Grafen Romanzow benannt hat. Es erinnerte mich an eine Bemerkung Chamissos im Tagbuch seiner Weltreise von 1818: „Ich habe einmal eine junge Berlinerin sagen hören, künstliche Rosen seien viel schöner als natürliche, denn sie kosten ja viel mehr. Das ist ein großes Kapitel in der Geschichte der Menschen.“ Die Geschichte der gläsernen Blumen von Harvard gehören zu diesem Kapitel, das noch geschrieben werden muss.
Holger Teschke schreibt sein Logbuch in diesem Jahr auf den Spuren Adelbert von Chamissos zwischen Europa, Amerika und Ozeanien.
- Weitere Logbucheinträge:
Holger Teschke
September 2008
Holger Teschke
Januar 2008
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