Wenn in diesem Monat in Stralsund das Ozeaneum eröffnet, bin ich in Chamissos Kielwasser mit Kurs auf Plymouth zur See. Plymouth war schon zur Zeit von Francis Drake Englands Tor zur Welt, und auch die Pilgerväter, Captain Cook und Charles Darwin sind von hier aus zu ihren Reisen abgesegelt. Chamisso wurde nach stürmischer Kanalpassage zu Kapitän Kotzebue gerufen und vom Kommandanten der „Rurik“ daran erinnert, dass Plymouth der letzte Hafen sei, auf dem der von Seekrankheit geplagte Dichter noch von Bord gehen könne.
Aber Chamisso hielt durch, schrieb seine „Reise um die Welt“ und entdeckte den Generationswechsel der Salpen. Diese Molluskenart pflanzt sich kettenförmig fort, und wiederholt jeweils die Erscheinungsform der vorvorigen Generation. „Es ist, als gebäre die Raupe den Schmetterling und der Schmetterling wieder die Raupe“, beschrieb er seine Entdeckung, die der Evolutionslehre einen entscheidenden Impuls gab. Seither sind Quallen und Mollusken bevorzugte Studienobjekte der Meeresbiologen und tauchen immer häufiger in den Aquarien der Welt auf, wo sie mit ihren grazilen Unterwassertänzen faszinieren.
Womit wir wieder beim Ozeaneum wären, das als modernstes Salzwasseraquarium Europas auch Quallen zeigen wird. Als Chamisso über den Sund nach Rügen übersetzte, standen auf der Hafeninsel noch Speicher aus der Hansezeit. Heute glänzen dort die ovalen Strukturen der Architektur von Behnisch + Partner, die Kritiker als größte Fischbüchsen Vorpommerns verspotten. Drinnen bietet der Bau nicht nur mehr als vierzig Kaltwasseraquarien Platz, sondern auch einer Sammlung lebensgroßer Walmodelle, die in der Halle der „Riesen der Meere“ unter der Decke schweben. Der Direktor des Ozeaneums, Harald Benke, ist Walforscher und widmet sich dem Schutz der Schweinswale in der Ostsee. Manchmal wird ihm ein Riesenexemplar vor die Haustür gespült, wie der 2005 im Greifswalder Bodden gestrandete Finnwal, dessen Skelett im Ozeaneum gezeigt wird.
Chamisso war ebenfalls von den Walen fasziniert, die zwischen Äquator und Beringstraße neben der „Rurik“ auftauchten. Angesichts ihrer gewaltigen Kräfte erwachte sein Erfindergeist, und er dachte darüber nach, ob man die Giganten nicht zähmen und als Zugtiere vor Segelschiffe spannen könne. Da zur gleichen Zeit Robert Fulton an seinem ersten Dampfschiff arbeitete, blieb den Walen wenigstens diese Zumutung erspart. Ich hoffe sehr, dass sich zwischen Irischer See und Orkney-Inseln noch ein Buckelwal sehen lässt und seinen Blas in den Augusthimmel schickt.
Schöne Ferien !
Holger Teschke schreibt sein Logbuch auf den Spuren Adelbert von Chamissos zwischen Europa, Amerika und Ozeanien.







