Mit welcher Technologie und mit welchem Brennstoff wir heizen – noch vor fünf Jahren wäre das kein Thema für ein Gespräch am Abendbrottisch gewesen, allenfalls für eine Diskussion unter Fachleuten.
Ralf-Otto Limbach: Das ändert sich gerade, vor allem durch die galoppierenden Energiepreise. Viele Menschen betrachten ihre steigenden Heizkosten mit Sorge – aufhören, zu heizen können sie deshalb aber nicht. Heizen ist ein Grundbedürfnis, das wir bedienen. Die Frage ist: Wer kann das am effizientesten?
Im vergangenen Jahr hat Ihre Branche einen dramatischen Einbruch erlitten, und in diesem Jahr treten auf einmal Lieferengpässe, insbesondere bei Geräten mit Erneuerbarer Energie auf. Wie ist das zu erklären?
Limbach: In der Tat ist der Markt im Jahr 2007 zum ersten Mal seit vielen Jahren sehr stark eingebrochen, um fast 30 Prozent – allerdings nur in Deutschland. Ein schwer zu erklärendes Phänomen, bei dem wohl mehrere Faktoren zusammenwirken: die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die damit verbundenen Vorzieheffekte, die einseitige Diskussion über Versorgungsengpässe bei Gaslieferungen und die Frage, wie die Bundesregierung Energie in Zukunft fördern wird. Die Folge war eine Art von Schockstarre bei den Verbrauchern.
Hinzu kommen neue Schlagwörter und Technologien, die die meisten Menschen nicht verstehen. Damit geht eine Vielzahl gut gemeinter Empfehlungen einher, die einander zum Teil widersprechen: Ein Beispiel ist die Wärmepumpe. Der eine rät zu dieser sehr effizienten Technologie, der andere sagt: Das rechnet sich nicht. Wem soll der Verbraucher glauben? Ich habe als Verbraucher ja gar keine Bedenken, 5.000 bis 10.000 Euro sinnvoll zu investieren, ich habe Angst, dabei schlecht beraten zu werden. Wichtig ist eine ehrliche und vor allem individuelle Beratung. Diese bieten wir unseren Kunden und dazu stehen wir.
A propos widersprechende Empfehlungen: Sie produzieren sowohl Wärmepumpen als auch Solaranlagen, Pelletheizungen und Gasbrennwertgeräte – weil Sie nicht wissen, was sich in Zukunft durchsetzen wird?
Limbach: Nein, weil wir wissen, dass sich der Mix durchsetzen wird. Wir werden eine Kombination verschiedener Technologien und Energiequellen haben –
und zwar individuell auf jedes Haus und jeden Nutzer abgestimmt. Es gibt nicht die eine Kombination für alle. Es gibt ja auch nicht den einen Typ Haus. Das Alter, die Größe, die Lage, die Dachfläche: All das spielt eine Rolle etwa bei der Frage, ob eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe geeignet ist. Dabei wird sich der Anbieter durchsetzen, der seinen Kunden individuelle und genau aufeinander abgestimmte Systeme aus einer Hand anbieten kann.
Aber gibt es nicht eine Technologie, die man den meisten empfehlen kann?
Limbach: Es gibt eine energiesparende und umweltfreundliche Lösung, die eine regenerative Energiequelle intelligent mit effizienter Brennwerttechnik verbindet, eine Kombination, die für viele passt: Das ist ein modernes Brennwertgerät zusammen mit Solartechnologie für Heizung und Warmwasser auf dem Dach. Das können wir in vielen Fällen mit gutem Gewissen empfehlen.
Und wann kommt die Brennstoffzelle? Sie arbeiten mit Partnern aus Industrie und Energieversorgern an einem Praxistest, dem Callux-Projekt.
Limbach: Damit springen Sie in die Zukunft. Die Brennstoffzelle wird in unterschiedlichen Branchen schon seit vielen Jahren diskutiert ...
...und stand schon mehrmals ganz kurz vor dem Durchbruch.
Limbach: Lassen Sie mich einen Vergleich anstellen, damit klar wird, wo das Problem liegt. Ein langlebiges Auto fährt etwa 300.000 Kilometer, in Betriebsstunden umgerechnet sind das nur 5.000 bis 6.000 Stunden. Unsere Heizungs-geräte dagegen müssen 30.000 bis 40.000 Stunden laufen. Wir denken in ganz anderen Dimensionen, was die Lang-lebigkeit und Zuverlässigkeit betrifft, als beispielsweise die Autohersteller. Die Frage ist: Wie bekommen wir die Brennstoffzelle auf eine ähnliche Lebensdauer wie ein wandhängendes Gasheizgerät? Das Problem bei der Brennstoffzelle ist nicht die Technik, die haben wir, und die funktioniert auch – aber sie muss 20 Jahre lang funktionieren, erschwinglich und einfach zu bedienen sein.
Wie schaffen wir es, die Lebensdauer zu erhöhen und damit die Kosten zu reduzieren und dann einen Businessplan zu erarbeiten, der sicher stellt, die Brennstoffzelle über große Volumina marktfähig zu machen? Das ist eher ein kaufmännisches Problem.
Grundsätzlich geht es bei allen Technologien darum, heute noch teure Premiumprodukte großen Kundensegmenten zugänglich zu machen. Ein modernes Brennwertgerät ist auch ein Premiumprodukt, aber es ist sehr weit verbreitet, und das macht es erschwinglich. Wir stellen als Marktführer im Jahr mehr als zwei Millionen wandhängende Heizgeräte her. So können wir Spitzentechnologie bezahlbar machen. Das muss uns mit der Brennstoffzelle auch gelingen.
Wie hoch beziffern Sie generell das Marktpotenzial für Heizgeräte in Deutschland?
Limbach: Unser Markt ist das Ersatzgeschäft im Baubestand, zumal die Neubaurate in Deutschland beständig sinkt. Wir haben in Deutschland 17 Millionen Heizungsanlagen, davon sind 15 Millionen veraltet. Wenn Sie davon ausgehen, dass ein neues System 5.000 Euro kostet, dann kommt da schon etwas zusammen.
Wie groß soll Ihr Stück vom Kuchen sein?
Limbach: Wir sind weltweit Marktführer für wandhängende Gasheizgeräte. In Deutschland sind wir das noch nicht, weil wir erst relativ spät in die Brennwerttechnologie eingestiegen sind. In naher Zukunft werden wir es aber auch hier sein. Die Zuwachsraten in diesem Bereich sind enorm. Wir haben weltweit in diesem Jahr erstmals mehr Brennwertgeräte als Heizwertgeräte verkauft. Kurz gesagt: Unser Stück vom Kuchen muss so groß sein, dass das Stück von allen anderen kleiner ist. Darüber hinaus wollen wir selbstverständlich auch im Bereich regenerative Energien unsere Spitzenposition ausbauen.
Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Finanzkrise auf Ihre Branche ein?
Limbach: Auswirkungen sind in Märkten mit einem hohen Anteil Neubauten spürbar, zum Beispiel in Spanien: Dort wurde immer noch sehr viel neu gebaut, dieses Geschäft ist völlig implodiert. Generell gilt jedoch: Wenn die Menschen weniger im Geldbeutel haben, schauen sie noch genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben. Und das ist unsere Chance. Wir verkaufen nicht irgendwelchen Unsinn, sondern die Möglichkeit, ein Energieproblem zu lösen und Geld zu sparen. Wir sind Teil der Lösung und nicht des Problems. Die Finanzkrise wird für uns demnach weniger Nachteile mit sich bringen als für andere Branchen. Wenn Sie sich Ende des Jahres unsere Zahlen ansehen, werden Sie feststellen, dass wir ein anständiges Jahr gehabt haben. Und auch für 2009 sind wir optimistisch. Nicht nur, weil wir in neue Technologien wie Wärmepumpen und Solarsysteme investiert haben, sondern weil auch unser klassisches Heizgeschäft gut läuft.
Zur Person
Ralf-Otto Limbach wurde 1962 in Aachen geboren und studierte Betriebswirtschaft in Oestrich-Winkel, London und Paris. Er ist als Geschäftsführer der Vaillant Group verantwortlich für Marketing und Vetrieb. Zuvor war Limbach als Manager bei BMW und VW tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Das Unternehmen
Die Vaillant Group ist ein international tätiges Unternehmen mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Remscheid, das Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik produziert. Neun Marken versammeln sich heute unter dem Dach des 1874 gegründeten Familienunternehmens. Im Geschäftsjahr 2007 erzielte Vaillant einen Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro und beschäftigte rund 10.000 Mitarbeiter.











