Barack Obama hat im Juni, als das ganze Ausmaß des „Deepwater Horizon“-Desasters selbst für die verbohrtesten Ölgötzen nicht mehr zu übersehen war, die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko mit den Anschlägen vom 11. September 2001 verglichen. In seiner Rede an die Nation hat er aus diesem Vergleich dann Konsequenzen angemahnt: Der versprochene Wechsel müsse endlich auch in der Energiepolitik vollzogen werden. Weg von fossilen Trägern und hin zu Erneuerbaren Energien, weg von sprit- und stromschluckenden Autos und Klimaanlagen zu schadstoffarmen Modellen und zu einem System des Emissonshandels, das die Treibhausgase und damit den Klimawandel stoppt. Das waren visionäre Worte wie zu Zeiten seines Wahlkampfs, aber untersetzt mit spürbarer Ungeduld gegenüber den republikanischen Totalverweigerern ebenso wie den Konservativen in seiner eigenen Partei.
Barack Obama hat inzwischen erfahren, wie vehement der Widerstand wird, wenn er seine Visionen in die politische Wirklichkeit umsetzen will. Denn so ein Wechsel würde nicht nur höhere Benzinpreise bedeuten, sondern auch einen Wechsel im American Way of Life. Die Debatte darüber spaltet die Gesellschaft und die Hasstiraden auf den Tea Parties sind erst der Anfang vom Ende einer Epoche, in der Wachstum und Konsum das Maß aller Dinge waren.
Die Reaktionen auf Obamas Rede in der deutschen Presse waren vorwiegend blasiert. Man mokierte sich über die Unverbindlichkeit seiner Formulierungen und zeigte sich enttäuscht, dass der Präsident seinen Wählern keine drastischeren Wahrheiten zugemutet hatte. Solche Häme in Blättern zu lesen, die die derzeitige Kanzlerin einst überschwänglich als Miss World gefeiert haben, entbehrte nicht einer gewissen Komik. Selbst jetzt übt man sich lieber in Stilkritik statt in inhaltlicher Analyse der Agenda Schwarz-Gelb. Das Sparpaket, das einen weiteren Triumph des neoliberalen Gesellschaftsumbaus dieser Republik markiert, wurde als ein bisschen ungerecht empfunden, aber interessanter war dann doch die Schlammschlacht, die sich die Gurkentruppe mit den Wildsäuen lieferte. Gott sei Dank deckte König Fußball schnell seinen wallenden Mantel über das Berliner Trauerspiel.
Aber die Frage, ob angesichts der schwelenden Finanz-, Währungs- und Umweltkrise die Deutschen zu einem Wechsel ihres Way of Life bereit sind, lässt sich nicht bis zur nächsten Weltmeisterschaft aussitzen. Schon morgen kann eine Havarie auf einer Bohrinsel in der Nordsee oder ein Tankerunglück in der Kadettrinne auch deutsche Strände in Öl-Lagunen verwandeln. Ob die Bundeskanzlerin dann den politischen Mut finden wird, unserer Auto-Nation einen Öl-Wechsel zu verordnen, darf angesichts ihrer Verkehrspolitik von vorgestern schon heute bezweifelt werden.







